"Lieber mitmachen als nur ein Foto" - Interview mit Hr. Lauterbacher
Interview mit Herrn Lauterbacher, Erster Stadtrat der Stadt Reinheim
Im Anschluss an die Müllsammelaktion nahm sich Herr Lauterbacher noch Zeit, die Fragen einiger Schülerinnen der G6a zu beantworten.
Maja: Wie lange machen Sie Ihren Beruf schon?
Herr Lauterbacher: Das ist kein Beruf. Das ist ein Ehrenamt. Der Bürgermeister ist hauptberuflich, der wird dafür bezahlt. Er muss auch eine Mindeststundenzahl pro Woche arbeiten, wie euer Lehrer auch. Wenn er mal verhindert, krank oder im Urlaub ist, dann vertrete ich ihn. Dann gehe ich auch in sein Büro, sitze dort und mache praktisch dieselbe Arbeit wie er auch.
Maja: Kennen Sie den Bürgermeister privat. Also, trinken Sie auch einmal einen Tee mit ihm oder so?
Herr Lauterbacher: Ja, ich kenne ihn sehr gut privat. Wir kennen uns schon viele Jahre. Aber tatsächlich bin ich erst seit zwei Jahren sein Vertreter. Wir arbeiten ganz eng zusammen, trinken mal eine Tasse Kaffee zusammen, gehen zusammen essen oder trinken auch mal ein Gläschen Wein zusammen. Wir verstehen uns sehr gut.
Maja: Wie finden Sie das, was wir heute gemacht haben, also dass wir Müll aufgesammelt haben?
Herr Lauterbacher: Großartig! Eine saubere Sache im wahrsten Sinne des Wortes.
Farah: Gibt es bestimmte Ziele, die sie mit der Müllsammelaktion erreichen wollen?
Herr Lauterbacher: Ja. Reinheim wirbt ja mit dem Slogan „lebens- und liebenswert“. Und ich finde, „lebenswert“ ist eine Stadt nur, wenn sie sauber ist. Deshalb unterstütze ich das und deshalb bin ich auch vor ein paar Jahren Umweltpate geworden.
Farah: Warum haben Sie sich entschieden, hier heute mitzumachen?
HerrLauterbacher: Weil ich euch unterstützen wollte und weil ich das für eine tolle Idee halte. Euer Lehrer hatte erst nur für den Fototermin angefragt, aber ich habe mich gefragt, wieso ich nur für einen Fototermin kommen soll. Ich will aktiv mitmachen. Das war ja meine Intention dabei.
Farah: Welche Pläne gibt es, um Reinheim langfristig sauber zu halten?
HerrLauterbacher: Pläne gibt es viele, aber die Frage ist, wie sich das umsetzen lässt. Ich habe gerade mit Herrn Ostermann an den Altglas- und Altkleidercontainern darüber gesprochen, dass es ja immer wieder ein Ärgernis ist, dass die Leute ihren Müll da einfach abstellen, wilden Müll auch. Oder auch, wenn die Container voll sind, dass sie das einfach davorstellen. Wir haben schon einmal überlegt, da Kameras zu installieren. Das ist uns aber vom Kreis untersagt worden, aus datenschutzrechtlichen Gründen. Ansonsten kann man nur immer wieder an die Leute appellieren: Nutzt die Mülleimer. Wir sehen ja heute wieder, wie manche Leute damit umgehen. Das ist eigentlich traurig. Normalerweise sind solche Aktionen völlig überflüssig. Es gibt ja sogar Länder, da ist es verboten, Müll auf die Straße zu werfen. Da kriegt man sogar eine Strafe, wenn man erwischt wird. Kennt jemand von euch diese Länder? In Asien? In Singapur, hat mir mal jemand gesagt, wenn man da Urlaub macht, kann man von der Straße essen, so steril und so sauber ist es da.
Maja: Stimmt es, wenn man da auf den Boden spuckt, dass man dann eine Strafe zahlen muss?
Herr Lauterbacher: Ja, genau. Das ist teilweise übertrieben, aber es könnte auch hier sauberer sein.
Farah: Was können wir alle im Alltag tun, um Müll zu vermeiden.
Herr Lauterbacher: Um Müll zu vermeiden? Gut, wir haben ja ein gutes Mülltrennungssystem hier. Und Müllvermeidung fängt ja schon beim Einkaufen an. Dass ich vielleicht auch mal darauf achte, dass ich die ganze Umverpackungen nicht unbedingt nutze, sondern vielleicht auch mal dort hingehe, wo Sachen auch direkt eingepackt werden. Denn man hat ja anschließend, wenn man heute irgendwas von dieser Ware auspackt, einen Haufen Müll da liegen. Und ansonsten bin ich für eine strikte Trennung. Auch im Haushalt.
Farah: Gibt es weiter Projekte, die bald stattfinden werden?
Herr Lauterbacher: In Sachen Müllbeseitigung?
Farah: Allgemein. Projekte. Nicht nur mit Müll, sondern zum Thema Umwelt.
Herr Lauterbacher: Ja, jede Menge. Das fängt ja schon damit an, dass wir ein großes Grundstück haben, Nordwest 3, wo über 51 Grundstücke für junge Familien geschaffen worden sind. Die sind im Moment noch in der Auslosungsphase. Man kann sich für diese Grundstücke bewerben. Das ist nur eine Sache. Ansonsten haben wir jetzt gerade in der letzten Woche ein neues Bürgerhaus eingeweiht, in Zeilhard-Georgenhausen. Das alte Bürgerhaus muss abgerissen werden. Es ist leider marode. Es lässt sich auch mit normalen finanziellen Mitteln nicht wieder in einen guten Zustand versetzen. Auch aus brandschutztechnischen Gründen hat man dann gesagt, ein Neubau ist günstiger, als den Altbau zu sanieren. Wir haben so viele Projekte. Und wir wollen auf jeden Fall auch den Schwerlastverkehr aus der Stadt rausnehmen. Das habt ihr heute auch gesehen, als wir die Darmstädter Straße runtergelaufen sind. Wir haben schon erreicht, dass wir eine 30-Zone da haben, aber die LKW können da ohnehin nicht schneller fahren. Obwohl mache mit 40, 50, 60 durchdonnern. Also Schwerlastverkehr raus aus Reinheim. Das ist sicherer für Fußgänger und Radfahrer.
Mia: Wie sind Sie darauf gekommen, Erster Stadtrat zu werden?
Herr Lauterbacher: Ich habe euch ja davon erzählt, dass ich den Bürgermeister schon sehr lange kenne, und er kennt mich. Mein Amtsvorgänger war schwer erkrankt und der Bürgermeister brauchte jemanden, der ihn ersetzt. Da hat er mich angerufen und gefragt. Ich habe nur zwei Minuten überlegt und dann gesagt, dass ich es mache. Dann bin ich vereidigt und in das Amt eingeführt worden. Genau zwei Jahre ist das her.
Maja: Ich noch eine Frage zum Sport. Mögen Sie Handball oder Fußball lieber?
Herr Lauterbacher: Fußball, also ich bin Fußballer seit meinem sechsten Lebensjahr.
R. (Schüler): Wie engagieren Sie sich noch für den Sport?
Herr Lauterbacher: Ich bin schon seit fünfzehn Jahren Abteilungsleiter Gesundheitssport im TV88, habe vor acht Jahren meinen Trainerschein gemacht und betreue drei Gruppen aktiv. Bei mir fängt der Sport schon am Montagmorgen um acht Uhr mit Fitness für Frühaufsteher an. So nennt sich meine Gruppe.
Farah, Maja, Mia und R.: Herr Lauterbacher, vielen Dank für das Gespräch.
Herr Lauterbacher: Sehr gerne. Und wenn ihr wieder bei einem Umweltprojekt Unterstützung braucht, dann sagt mir Bescheid.